Die Auswirkung unserer Reaktionen

Die Qualität von Eltern bemisst sich nicht nach Regeln, die sie ihren Kindern vorgeben, sondern nach der Art ihrer Reaktion, wenn diese Regeln gebrochen werden.“

Familientherapeut Jesper Juul

Als ich das Zitat von Jesper Juul gelesen habe, dachte ich nur daran, wie froh ich bin, dass ich durch den bindungs-und beziehungsorientierten Weg, unter anderem diese Erkenntnis gewinnen konnte. Unsere Reaktionen werden nämlich zu den Reaktionsmustern unserer Kinder, die sie ihren eigenen Kindern weiter geben werden. Diese Reaktionen werden ebenfalls ihre Kommunikation und ihren Umgang mit Konflikten stark beeinflussen.

Mit der Geburt meines zweiten Kindes und den zunehmenden Wutanfällen bei meinem ersten Kind, bin ich häufig an meine eigenen Grenzen und Themen gekommen. Das Umsetzen der weit verbreiteten Ansicht, dass die Kinder in der „Trotzphase“ besonders viele Grenzen und Konsequenzen benötigen, versuchte ich umzusetzen und geriet ständig in die Machtkämpfe, die uns alle belastet haben. Kurzfristig brachten diese Methoden sogar eine Wirkung, indem das Auftreten eines gewünschten Verhaltens folgte, das unerwünschte trotzdem immer wieder und dann noch verstärkter auftrat. Die Wut wurde ja schließlich nur unterdrückt und explodierte dann in Konfliktsituationen mit aller Wucht. Unterdrückte Wut hat eine negative Auswirkung auf die gesunde Entwicklung eines Menschen. Diese negative Energie wird gespeichert und macht sich im Laufe des Lebens immer wieder bemerkbar.

Ich bin so unendlich froh, dass ich nach einem anderen Weg gesucht und diesen gefunden habe. Ich richtete den Blick zuerst auf mich selber, um nachvollziehen zu können, woher meine eigene Wut und meine Angst kommen. Die Verbindung zu meinen eigenen Bedürfnissen und Gefühlen wieder herzustellen half mir, eine starke Verbindung zu meinen Kindern aufzubauen und sie mit allen ihren Emotionen zu akzeptieren und sie zu coregulieren. Ich habe die volle Verantwortung für die Atmosphäre in meiner Familie übernommen und eine neue Stärke entwickelt. Ich konnte auf der emotionalen Ebene reagieren und einfühlsam meinen Kindern Wege zeigen, verschiedene Emotionen kennenzulernen und mit diesen umzugehen. Ich musste keine Angst mehr vor den Emotionen meiner Kinder oder vor meinen eigenen haben. Es brachte so viel Erleichterung in unser Familienleben. Wir bauten eine konstruktive Beziehung zueinander auf und gehen seitdem weiterhin konstruktiv mit den Konflikten (die zum Familienleben dazu gehören) um. Daran wachsen wir und das schweißt uns noch mehr zusammen. Das Fachwissen und Verständnis für die Bindungsaspekte in der Entwicklung der Kinder, führte natürlich auch zu einem größeren Verständnis für die bestimmten Verhaltensweisen der Kinder.

Es lohnt sich den bindngs- und beziehungsorientierten Weg kennenzulernen und sich dadurch seiner eigenen Bedürfnissen und Grenzen bewusster zu werden, damit wir authentisch und einfühlsam, unsere Kinder begleiten können. Kinder tragen keine Verantwortung für die Qualität unserer Beziehung. Sie brauchen Eltern die Verantwortung übernehmen und schauen, worauf uns Kinder mit ihren Verhalten aufmerksam machen. Es sind nämlich ganz wertvolle Signale, aus denen wir viel dazu lernen können und die sogar unsere eigene persönliche Entwicklung bereichern können.

Für die Atmosphäre in der Familie sind allein die Erwachsenen verantwortlich. Gefühle und Emotionen gehören ebenso dazu wie Körpersprache und Tonfall.“

Familientherapeut Jesper Juul