Mein Kind provoziert mich

Ich bekomme häufig mit, wie sehr das Thema Grenzen Eltern beschäftigt und wie sehr wir noch in den alten Denkmustern gefangen sind. Wenn sich die Kinder nicht wie erwünscht verhalten, kommen bei uns unbewusst die Gedanken hoch, dass sie dann besonders viele Grenzen brauchen, da sie sonst mit dem auffälligem Verhalten nie aufhören werden. Wir gehen dann immer härter mit den Kindern um, merken jedoch häufig, dass es langfristig keine Verbesserung bringt. Es macht mich manchmal sehr traurig zu erleben, wie sehr dieser Umgang die Kinder und Eltern belastet. Deswegen finde ich es so wichtig, dass die Eltern den Blick zuerst auf sich selbst richten, sich reflektieren und versuchen erstmal zu verstehen, WARUM sich Kinder in einer bestimmten Art und Weise verhalten.

Wir unterstellen den Kindern, dass sie uns ärgern wollen und dass sie versuchen uns auf der Nase herumzutanzen. Lasst uns endlich mit dem negativen Blick auf die Kinder aufhören. Lasst uns schauen, was uns Kinder wirklich mit dem Verhalten sagen wollen. Lasst uns einfühlen und verstehen, was dahinter steckt.

Auch wir Erwachsene, verhalten uns auf bestimmter Art und Weise, je nach dem, welche Bedürfnisse bei uns nicht erfüllt sind. Wir können selbst dafür sorgen, unsere Bedürfnisse erfüllt zu bekommen. Wir machen diese auf einer konstruktiven oder destruktiven Weise. Wenn wir z.B. zu wenig Zuwendung vom Partner bekommen, können wir uns diese von einem neuen suchen oder wir können dafür Sorgen, dass dieses Bedürfnisglas, durch ein Gespräch und eine Veränderung der Situation mit dem Partner, gefüllt wird.

Die Kinder können dieses noch nicht alleine und wenden Strategien an, um uns auf die Gefühle und die leeren Bedürfnisgläser aufmerksam zu machen. Wir denken dann, sie provozieren uns oder machen Quatsch, um uns zu ärgern. Sie handeln jedoch aus einem bestimmten Gefühl heraus, um z.B. Zuwendung von uns zu bekommen (dieses Verhalten kommt verstärkt durch Veränderungen im Familienleben, wie z.B. neues Geschwisterchen, vor).

Wenn wir jetzt schimpfen, strafen oder mit Liebesentzug reagieren, verstärken wir unbewusst bei Kindern das Gefühl, den Eltern nicht wertvoll genug zu sein und von den Eltern nicht geliebt genug zu sein. Ein Teufelskreis!! Sie müssen dann noch mehr Strategien entwickeln, um die Zuwendung zu bekommen oder sie geben irgendwann nach.

Es ist so wichtig die Kinder zu verstehen und die Ängste und Glaubenssätze bei uns Erwachsenen zu überprüfen. Lasst uns anfangen die Beziehung in den Vordergrund zu stellen und Kinder vor allem durch das Herz zu sehen. Lasst uns in solchen Situationen den Kindern helfen, ihre Bedürfnisgläser zu füllen, indem wir ihnen im Alltag einfach mehr z.B. ECHTE ZUWENDUNG schenken.

Die Provokationen hören so mit der Zeit von alleine auf, da die Bedürfnisgläser wieder gefüllt werden.

Lasst uns endlich verstehen, dass die Gefühle, Bedürfnisse und insgesamt die emotionale Entwicklung der Nährboden ist, auf dem sich ein psychisch und physisch gesunder Mensch entfalten kann. Lasst uns achtsamer und einfühlsamer miteinander werden. Nur so können wir die Welt zu einem besseren Ort machen. Jeder muss zuerst den Blick auf sich selbst richten und überprüfen, durch welche Brille er den anderen großen und kleinen Menschen sieht.